 die Navigation im Portal ist ein Genuss |
Exo bietet auf seiner Präsenz im Internet, neben dem Portal, auch eine Software namens WebOS an.
In der aktuellsten Version sind WebOS und das Exo Portal als integriertes Paket zu haben.
Das Portal als eigene Software ist nur in einer älteren Version vorhanden.
Vorgestell wird hier die WebOS-Portal Kombination. |
Eine visuelle Einführung
Auf der Seite von Exo wird der Besucher von einem überdimensionalen Screenshot, der auf das Opensource Repository verlinkt, empfangen. Als erster Klick empfiehlt sich jedoch der Link "Watch the video" gleich unter dem Screenshot.
In ca. 15 Minuten stellt hier der Produktmanager von Exo (mit nettem französischem Akzent) die neueste Version der Software vor. Auffällig ist das angenehme Design der Anwendung, das sehr an eine Desktopoberfläche anlehnt.
Begonnen wird mit der Navigation durch das Portal. Der Unterschied zu gängigen Webanwendungen ist sofort offensichtlich. Exo setzt vollständig auf Ajax, selbst bei einem Klick auf einen der Tabulatoren wird nur der benötigte Teil der Seite, der in diesem Fall allerdings 95 Prozent ausmacht, aktualisiert. Der Performanzvorteil ist in diesem speziellen Fall deshalb sicher zu vernachlässigen.
Angenehm ist, dass die Seite beim Aktualisieren nicht komplett aus dem Browserfenster verschwindet, sondern einen Statusbalken einblendet. Der Anwender bekommt nicht das Gefühl, den "Kontakt" zur Anwendung zu verlieren.
Das WebOS
Die "echte Revolution" (Zitat des Projektmanagers) verbirgt sich jedoch im Backoffice. Hier spielt WebOS alle seine Stärken aus. Die Portlets werden durch einen Klick auf die Fisheye-Navigationsleiste aktiviert. Das sich nun öffnende Portlet kann völlig frei positioniert werden. Neu geöffnete Portlets können andere Portlets überdecken, ein Klick auf das untenliegende Portlet bringt dieses wieder in den Vordergrund. Wird der Browser in den Vollscreenmodus geschaltet, unterscheidet sich die Page nicht mehr von einer Desktopoberfläche.
In der linken, unteren Ecke befindet sich das Äquivalent zum Windows Startbutton. Ein Klick auf diesen Button öffnet ein Menü, mit dem sich zwischen den verschiedenen Desktopoberflächen umschalten lässt. Portlets lassen sich ebenfalls aus dem Menü starten.
Mac oder Vista
Ein eher optisches Schmankerl, ist die Möglichkeit, das Theme des WebOS zwischen Windows Vista und Mac umzuschalten. Das jeweilig gewählte Design unterscheidet sich kaum von der Oberfläche des entsprechenden Betriebssystems. Die gläsernen Scrollbalken von MacOs wurden genauso perfekt adaptiert, wie die Transparenzen, mit denen Vista beeindruckt.
Erste Gehversuche mit Exo
Am Ende des Videos ist man gerade zu begierig, die Software herunterzuladen und in Betrieb zu nehmen. Im Repository objectweb.org stehen, neben dem WebOS Portal, noch andere Anwendungen zum Download bereit. Die im Video vorgestellte Software entspricht dem Paket exo-enterprise-webos-[version]-tomcat.zip.
Das Portal muss über die exo-run.[bat|sh] und nicht über das Tomcat eigene Startskript in Betrieb genommen werden. Das Portal startet zwar auch über das Standardskript, einige der WebOS Funktionen stehen dann aber nicht zur Verfügung.
Die Navigation im installierten System macht genau so viel Spaß, wie das Video suggeriert. Wie erwartet, beeindruckt gerade die Funktionalität des WebOS im Backoffice. Die Bedienung ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, soviel Ajaxfunktionalität überfordert nach Jahren der Naviagtion in gewöhnlichen Htmlseiten.
Kleine Fehler
Schließt man etwa ein Portlet, welches über die Fisheye Navigationsleiste gestartet wurde, verschwindet da sentsprechende Icon auch aus eben dieser Navigationshilfe. Bis das Portlet wiedergefunden und auf dem Desktop installiert ist, sind ein paar Minuten Raten und Probieren notwendig.
Beim Klicken durch das Portal öffnen sich wiederholt Fenster, ohne die gewohnten Icons in der rechten oberen Ecke. Ausgerechnet diese Fenster grauten auch den Hintergrund aus, so dass die weitere Navigation unmöglich wurde. Dann bleibt nur noch der Reloadbutton der Browsers. Danach findet man sich meist auf einer völlig anderen Seite des Portals wieder.
Funktionen und Standardportlets
Exo bietet, wie alle anderen Anbieter auch, eine Auswahl eigener Portlets an. Erwähnenswert ist hier das Community- und das CMS Portlet. Beide wirken professionell und die Arbeit mit diesen Applikationen macht schlichtweg Spaß. Der Portletkatalog ist insgesamt jedoch weniger umfassend als der von JBoss oder Liferay. Das adaptieren fremder Portlets oder Eigenentwicklung ist bei Exo eher angesagt, als bei anderen Portalen.
Manko Dokumentation
Wenn es jedoch um eigene Entwicklungen für das Portal geht, steht Exoplatform schlecht da. Auf den Downloadseiten steht neben einigen Flashfilmen, nur ein 46-seitiges Benutzerhandbuch zur Verfügung. Eine Developer- oder Api Dokumentation sucht man vergebens. Im Wiki des Portals finden sich dann doch einige Quellen für den Entwickler. Hier wird unter anderem auf die, auf Eclipse basierende, Lomoz Entwicklungsumgebung verwiesen.
Auf den Seiten von Lomboz (auch im objectweb Repository) findet sich ein kurzes Video, das die Installation einer Runtimeumgebung für das Portal erklärt, die die Entwicklung eigener Portlets vereinfachen soll. Lomboz unterstützt leider nur die Portletentwicklung für ältere Versionen des Portals, die weit entfernt vom neuen WebOS-Portal sind. Also auch hier Fehlanzeige.
Bleibt noch die Hoffnung auf gut dokumentierten Quellcode. Nach dem Auschecken aus dem Subversionrepository befinden sich über 120.000!!! neue Dateien auf der Festplatte. Ein stichprobenartiger Blick in einige Sourcefiles ernüchtert allerdings. Außer dem Namen des Autors finden sich keine weiteren Informationen in den Dateien.
Das Potential zur Nummer Eins
Exoplatform beeindruckt mit einer faszinierenden, auf Ajax basierenden Technologie. Wer aber mehr als die Standardausführung bzw. selbst Anwendungen entwickeln möchte, hat schlechte Karten. Bleibt zu hoffen, dass Exo hier noch zulegt. Mit einer vernünftigen Dokumentation für Entwickler und einem Update der Lomboz Entwicklungsumgebung kann Exo die Nummer Eins unter den Enterprise Portalen werden.
27. Juni 2007